Tennisverband Pfalz e.V.
Entwicklungsphasen



Entwicklungsphasen

Die Entwicklungen im Pfälzer Tennis

Mit der Geschichte des Spiels, insbesondere mit der des Spiels mit dem Ball, will ich mich hier und heute nicht näher befassen, sondern nur erinnern. Tennis und Fussball gehören zur gleichen Familie, denn das Tennisspielen ist aus mittelalterlichen „Fussballspielen“ (Beförderung einer mit Heu ausgestopften Lederhülle durch ein Burgtor, begleitet von permanenter Rauflust der Beteiligten) entstanden, das von der kirchlichen Obrigkeit nicht gern gesehen war. Deshalb entwickelte sich das Spiel mit einem kleineren „Ball“, der zunächst mit der flachen Hand, dann mit den ersten Anfängen von Schlägern über eine Schnur und später über ein Netz geschlagen wurde. Das Tennisspielen erreichte Deutschland über die Ballhäuser der Nachbarstaaten im 15. Jahrhundert, wurde aber erst (zunächst nur als Familientennis) richtig populär im 19. Jahrhundert, als sich das „Lawn Tennis“ (Rasentennis) von England kommend, auch hier ansiedelte. Nach hiesiger Kenntnis gelangte Tennis zum ersten Mal 1885 in die Pfalz, als der Schiffsreeder und Kaufmann Heinrich Kaul aus Landau seine Tennisausrüstung mit in seine Heimatstadt brachte. Er hatte mit seiner Tochter, eine später verheiratete Elise Moser, das Tennisspielen in London kennen gelernt. Der erste Tennisverein der Pfalz wurde 1895 in Landau gegründet und 1896 als Verein (der heutige TC SW ASV Landau) eingetragen. Im gleichen Jahr folgte die Gründung des TC RW Neustadt.

Obwohl sich das Tennisspielen als solches, sein Grundcharakter, sein Spielfeld und dessen Ausstattung kaum geändert haben, haben die organisatorischen und strukturellen Vereinsformen jener Zeit bis hin zum heutigen modernen Vereinsmanagement viele Entwicklungsphasen durchlaufen, auch und insbesondere nach Gründung des Tennisverbandes Pfalz vor fast 8 Dekaden. Ich erinnere mich, seit 1952 spiele ich im ASV Landau Tennis, die erste Mannschaftsaufstellung und deren Bekanntgabe am Vormittag, kurz vor Spielbeginn, durch Tafelanschrieb erlebt zu haben. Vorgaben, wie sie heute üblich sind, gab es kaum. Je mehr sich aber das Familientennis über die Freundschaftsturnier zum Wettkampf-, insbesondere zum Mannschaftswettkampfsport heutiger Prägung entwickelte, desto detaillierter und eingrenzender wurden Entwicklungen von Leitlinien und Wettspielordnungen erforderlich. Dies hatte und hat auch Auswirkungen auf die Strukturen der Vereine, die 2005 erstmals ihren Sport in Teilen ausschliesslich über das Internet organisieren müssen. Die Vereine können deshalb in dem sich ständig verändernden Umfeld nicht auf dem Stand der Gründer- und Aufbaujahre stehen bleiben, sondern müssen sich den Gegebenheiten anpassen oder neu reagieren. Sie müssen neue Formen und Inhalte prüfen und ihre Vereinsführung und ihre Arbeit darauf abstellen. Die vergangenen 75 Jahre haben auch dem Tennis in der Pfalz in einem Tempo und einer Masse Entwicklungen beschert, die eine Reihe von Vereinen Probleme hinsichtlich ihres Fortbestehen brachte. Die vielfältigen Umwälzungen die rundherum um die Tennisvereine passierten mussten uns schon lange, spätestens aber jetzt, von dem Gedanken lösen, dass auch der Tennissport keine Insel der Seeligen mehr ist. Das heisst aber nicht, dass wir den Idealen unseres Tennissports nicht weiterhin die Treue halten, gerade in einer Zeit, in der Idealismus keinen grossen Stellenwert mehr besitzt.

Die Kraft für diese Aufgaben in der Zukunft aber können die Vereine gerade in dem Jubiläumsjahr unseres Verbandes zu einem grossen Teil aus einer ereignisreichen und bemerkenswerten Vergangenheit schöpfen, denn alle neuen Herausforderungen können nur mit dem Blick nach rückwärts verstanden und mit dem Blick nach vorne gemeistert werden. Der Tennisverband Pfalz steht dafür seinen Vereinen stets zur Verfügung. Sie fit zu halten und weiter zu rüsten, den immer wieder neuen Herausforderungen begegnen und Stand halten zu können, wird seine vornehmliche Aufgabe bleiben. Die Vereine haben in den zurückliegenden Jahren grosse sportliche und gesellschaftliche Aufgaben erfüllt, um dem Leistungs-, Breiten-, und Freizeitsport gerecht zu werden. Der Tennisverband wird weiter helfen, dass in den Vereinen dafür die richtigen Strukturen und Organisationsformen aufgebaut und weiterentwickelt werden und für in den aufgefächerten Führungsfunktionen, Führungspersönlichkeiten gefunden werden, die bereit sind, sich in den Dienst für ihren Verein zu stellen.

Manfred Ecker, Pfälzer Tennis 03/04

 

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